GESCHICHTE

Förderverein Kapelle St. Brigida in Ungedanken e.V.

 

Die Geschichte der Kapelle

Vier Kilometer westlich von Fritzlar erhebt sich am rechten Ederufer der Büraberg. Nichts deutet zunächst für einen Fremden darauf hin, dass dieser Berg eine bedeutende Vergangenheit hat.
Der Büraberg ist einer der historisch bedeutsamsten Berge im nördlichen Hessen. Das Bergplateau hat eine Fläche von über 12 ha und ist von Wällen und Gräben umgeben, die als Sicherung der Fränkischen Burg dienten. Sie ist wesentlich älter als die heutige Stadt Fritzlar.

Auf dem Plateau befindet sich ein Friedhof,
in dessen Mitte sich eine Kapelle befindet,
die der Hl. Brigida geweiht ist und heute als
Kapelle dient in der Gottesdienste stattfinden
sowie bei Begräbnisfeiern genutzt wird.   

               Auf die geschichtliche Bedeutung
                                                   wird durch Schautafeln hingewiesen.

Die Burg diente zum Schutz des Fränkischen Reiches gegen die heidnischen Sachsen, die versuchten, dieses umstrittene Grenzgebiet
zu erobern. Es gehörte zu einer ganzen Festungsreihe in Nordhessen,
wobei die nächstliegende sich auf dem Christenberg befand.
 
Bonifatius kam um 723 in unsere Gegend, um die hiesige
Bevölkerung zu christianisieren. Er kam aber nicht alleine,
sondern im Schutze fränkischer Krieger. So konnte er auch
unbedrängt die berühmte Donareiche fällen, das Heiligtum
der hier wohnenden Germanen.


Er fand auf dem Büraberg bereits eine Kapelle vor, errichtet von iro-schottischen Mönchen, die die Kapelle der Hl. Brigida geweiht hatten – also mussten vor ihm bereits Christen hier gewesen sein. Bonifatius machte diese Kapelle 741 oder 742 zur Kathedrale, indem er Witta zum Bischof einsetzte. Aber schon 746 oder 747 endete das Bistum Büraberg durch den frühen Tod von Witta, das Bistum wurde der Diözese Mainz zugeschlagen.
 
Nach Prof. Dr. Norbert Wand handelte es sich vermutlich um ein frühkarolingisches Kloster.
 
Durch Ausgrabungen von Prof. Dr. Joseph Vonderau in den Jahren 1926/27 erweckt die Kirche St. Brigida das Interesse vieler Historiker und Archäologen. Sie ist sicher vor dem Auftreten von Bonifatius in Hessen zu datieren, denn es fällt auf, dass der Bonifatiusbiograph Willibald für den Büraberg von keiner von Bonifatius ausgehenden Kirchenbautätigkeit berichtet. Dieses spiegelt sich auch in dem unterschiedlichen Kirchentypus wieder; denn der Grundriss des Saalbaus auf dem Büraberg unterscheidet sich deutlich von den Saalbauten der Kirchen, die Bonifatius errichtet hat.

Sowohl J. Vonderau (1926/31) als auch N. Wand (1967/73) schreiben die Fundamente des gesamten Kirchenbaues mit seinem Schiff von 11 x 7 m, dem eingezogenen Rechteckchor von 5,20 x 4,60 m und dem „ Westturm“ von 4,80 x 4,60 m mit einer Höhe von noch jetzt ca. 10 m der Gründungszeit der Kapelle zu, die sie aufgrund der historischen Quellen und des Patroziniums mit 700 – 710 annehmen.

Im Inneren des Chorraumes hatte schon Vonderau zwei nebeneinander liegende Gräber gefunden. Beide Toten waren in Holzsärgen beigesetzt.
Es handelt sich hierbei wohl bei dem Grab 1 um das Grab von Bischof Witta und bei Grab 2 um das des ersten Abtes Humbert. Beide sind abgebildet auf einem Reliquienkasten im St. Petri Dom zu Fritzlar.


Abbildung: Reliquienkasten, Holz mit bemalter Leinwand, aus der Peterskirche zu Fritzlar. Li. unten der Hl. Humbert als Abt.
Außerdem findet sich an der Westwand des südlichen Seitenschiffs im Fritzlarer Dom eine Schädelreliquie mit „Echtheitszertifikat“ – „caput S. Humberti prioris in monte Buru“.
 

An der Ostseite der Kirche fand J. Vonderau einen Brunnen mit einem danebenliegenden Raum, den er als „Taufbrunnen“ mit Ankleidezelle interpretierte, zumal sich im oberen Rand ein Stein mit einem Kreuz befand, der mit der Bistumserrichtung in Verbindung gebracht wurde. N. Wand (1969/70) konnte dagegen nachweisen, dass es sich um Profanbauten unterschiedlicher Zeitstellung handelte: bei dem „Taufbrunnen“ um eine Zisterne, bei dem „Ankleideraum“ um den Keller eines kleinen Holzgebäudes. Zweifelsohne handelte es sich aber bei dem Stein, den J. Vonderau gefunden hatte, um einen Stein mit Benediktionskreuz, somit besteht kein Zweifel an der sakralen Nutzung der Zisterne als Baptisterium, jedoch nur als Zweitverwendung.
 
Ob diese Ausgrabungsergebnisse dann aber auch stimmen, muß mit jedem Fund und dessen Ergebnis neu interpretiert werden und wird dadurch nicht unbedingt klarer. Bei den allerneuesten Untersuchungen fand man unter den oben genannten Fundamenten noch ältere Steinformationen, die möglicherweise doch einer Vorgängerkirche zuzuordnen sind. Aus dem Mauerwerk der Chorwand konnten Holzproben geborgen werden, die nach einer C 14-Analyse zweifelsfrei eine Datierung dieses Bauteiles in den Zeitraum zwischen 543 und 658 bzw. 558 und 667 zulassen.

In Kenntnis dieser Ergebnisse handelt es sich bei dieser Kirche um ein Bauwerk, das wohl als das Älteste außerhalb des Limes angesehen werden muss.

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